Theresa Brehm

 

Aus: Sommerbad

 

Es war ein Sommerbad so wie viele, mit drei Becken unterschiedlicher Tiefen und einer Liegewiese, von Platanen umstanden. In der Ferne ragten Plattenbauten in den Himmel hinein. Schaute man nach oben und streckte man die Hand aus, wollte man in das Blau springen, es zog einen fast hinein und Schwindel setzte ein.

 

Ich saß täglich auf den Betonstufen, die über dem Schwimmerbecken eine Art Zuschauertribüne bildeten. Die Sonne beschien sie bis zum Abend, und tauchte die Liegenden in Gold, wenn der Park auf der anderen Seite ins Dunkle verschattete und das Gras herüber roch.

 

Von meinem erhöhten Platz aus beobachtete ich die Schwimmer und die Wassertropfen, die über ihren Köpfen und Armen für Sekundenbruchteile in der Luft schwebten. Hände und Füße stießen aus dem Wasser und glitten mit Gewalt in die glitzernde Oberfläche. Ameisen liefen über die graurissige Zementdecke und irgendwann suchten sie sich ihren Weg über meinen Arm.   

 

Wenn ich schwamm setzte ich manchmal die Brille auf und kurz vor dem Atemholen teilte sich das Bild in einen blauen Raum der Schwerelosigkeit und eine schnellere Welt, in der Kinder vom Beckenrand sprangen und Gesprächsfetzen und Rufe über das Wasser getragen wurden.

 

Aaron fiel mir zum ersten Mal auf, wie er zum Sprungbrett schritt. Es war früher Nachmittag. Er drehte sich zu jemandem um und er lachte und dann drehte er seinen Kopf nach vorne und ich sah dieses Lachen.

 

 

Geboren in München.  Aufgewachsen an der österreichisch-tschechischen Grenze. Lebt seit 2004 in Berlin. 

 

Themen: Lust an Oberflächen. Übergänge zum Wahnsinn. Das nicht feste Selbst. Beschreibung von Wasser und Licht. Eros und Abenteuer.

 

Ein guter Plot, für Dich.  

 

 


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