Judith H. Strohm

Judith H. Strohm ist Diplom-Politologin und arbeitet als Projektmanagerin für Vereine und Stiftungen in Berlin. Ihr Herz schlägt für die Kurzgeschichte. Neben dem Schreiben von Texten macht ihr vor allem das Vorlesen Spaß. Sie ist Mitglied des Autorenkombinats Kommando Torben B. sowie der Autorengruppe MischMash. 

 

Autorinnenwebsite von Judith H. Strohm: http://www.judith-h-strohm.de/

 

Judith H. Strohm im Interview

Du lebst in Berlin und bist außerordentlich viel unterwegs- sowohl körperlich auf Reisen, wie auch im Netz und in verschiedensten Schreibgruppen. Kann man das so sagen? Erzähl mal ein wenig über die verschiedenen Seiten deines Schreibens.

 

Orte und natürlich mit ihnen die visuellen Eindrücke, der Geruch etc. sind ganz sicher eine der wichtigsten Inspirationsquellen für mich. Entsprechend ist Reisen extrem wichtig. Dabei nehme ich aus Wolfenbüttel ebenso etwas mit wie aus Lahore in Pakistan. 

Das gesamte Interview gibt es im Blog dingfest - Welt aus Papier - des Autors und Bloggers Matthias Engels.

I LOVE NEW YORK CITY

Islamische Republik Pakistan – ich trinke auf dich! Auf deine korrupten Politiker und Generäle, auf dieses gottverlassene Land, in dem der Tod lautlos aus dem Abendhimmel fällt. Auf deine verlorene Jugend. Ja, ich trinke auf dein Wohl! Trinken ist politischer Widerstand. Mit jedem Schluck stärke ich den liberalen Geist Lahores. Lahore, du Scheiß-Stadt - ich trinke auf deine versoffenen Intellektuellen. Natürlich wird der Fusel mich irgendwann umbringen. Aber bis dahin ist er das einzige, was mich am Leben hält. mehr

WEITERE LITERATURPROJEKTE

Projekt: STELLDICHEIN - DIE LAUBENLESUNG

Schon 2012 war MischMash im Rahmen des Festivals 48 Stunden Neukölln aktiv. Damals luden wir unter dem Titel „Endstation Garten Eden?“ zu einem literarischen Spaziergang durch einen Kleingarten ein. Am Ende jeder Lesung hieß es am Wunschbaum: „Wunsch säen, Lolli ernten!“ Zahlreiche Gäste pflückten sich nicht nur einen Apfel-Lolli, sondern hinterließen auch ihre Wünsche auf den Blättern des Baumes.
Die Wünsche aus dem letzten Jahr inspirierten uns zu neuen Geschichten. Der Text "Abschied von etwas" entstand nach dem Wunsch "Bei meiner Familie bleiben".

Abschied von etwas

Stelldichein
Stelldichein

Yvonne war im Begriff die Haustür aufzuschließen. Doch plötzlich hielt sie inne, zog die Hand zurück und presste den Schlüsselbund an den Bauch. Das Metall war kühl und hart. Sie machte einen Schritt von der Tür zurück in Richtung Gehsteig, Stare lärmten in der Kastanie vor dem Haus. Von weitem schallten Stimmen und Lachen, dann zerbrach Glas, vielleicht auf dem Asphalt. In der Weserstraße standen wohl noch die letzten Gäste vor den Kneipen in der Morgensonne. Vor wie vielen Jahren war sie zum letzten Mal dort gewesen? mehr

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Projekt: PHOTOSHOPPING

Fotos bilden die Inspirationsquelle und zugleich die Kreuzungspunkte der Kurzprosa, die ich gemeinsam mit drei weiteren Autor_innen entwickelt habe. Hier finden sich meine Beiträge.

Da fällt herab ein Träumelein

Photoshopping
Photoshopping

Schlaf, Kindlein, schlaf.
Das singe ich meinem Kindchen immer. Jeden Abend singe ich ihm das. Denn mein Kindchen soll schön schlafen, friedlich schlafen soll es in seinem Bettchen. Ganz in rosa lag es da, liegt es da, mein Kindchen. Mit rosa Wangen und rosa Strampler im rosa Bettchen. Ich habe ihm das Bettchen neben mein Bett gestellt und alles ganz schön gemacht für mein Kindchen, denn ich will ja, dass es ihm gut geht, weil ich es doch so lieb habe, mein Kindchen.
Schon als ich den blauen Strich auf dem Test gesehen habe, da gab es mein Kindchen ja noch gar nicht richtig, aber schon da hatte ich es lieb und später hat es mich dick gemacht, mein Kindchen, ja, hat mich richtig dick gemacht, den Bauch und die Brüste, aber ich habe es trotzdem lieb gehabt und als es dann auf der Welt war - da ja sowieso. mehr

 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------

Projekt: ENDSTATION GARTEN EDEN?

Das Projekt "Endstation Garten Eden?" fand im Rahmen des Festivals 48 Stunden Neukölln 2012 statt. Berliner Nachwuchsautorinnen und -autoren fragen nach den Zwischenstationen auf dem Weg zum Paradies. Der Weg führt über „Irre Wege“ und durch das „Fegefeuer der Eitelkei­ten“. Wo es eben noch lustvoll und „süpersündik“ zuging, droht ganz plötzlich der „Raus­schmiss“ aus dem Paradies. Das Los entscheidet für die Besucher, welche Route sie nehmen und welche Texte sie auf ihrem Weg an den einzelnen Stationen hören. Nur wer sich auf den Weg macht, kann neue Literatur entdecken, bis es irgend­wann heißt: „Bitte alle Endstation!“

Neuköllner Verheißungen

Endstation Garten Eden?, (c) ezratsegaye.de
Endstation Garten Eden?, (c) ezratsegaye.de

„Kommst du jetzt endlich? Jetzt mach schon“, Murat zerrte ungeduldig an Ahmeds Ärmelsaum, „den Joghurt kannst du doch auch mitnehmen!“
Ahmed kippte den Ayran hastig hinunter, wischte sich mit dem Ärmel den weißen Milchbart ab, warf dem Onkel im Gehen noch ein eiliges „Tschüss, bis nachher“ zu und lief auch schon aus dem kleinen Kiosk hinaus auf die Richardstraße. Die Sommerferien hatten gerade begonnen und das Abenteuer lachte den beiden Jungen entgegen – vor allem in Gestalt der üppigen Blumenverkäuferin, die Rosen, Tulpen und Dalien im Laden an der Ecke feilbot. mehr

Texte aus dem Projekt "Endstation Garten Enden?" zum Anhören:

 

Tanz im Pigalle (Audio: 3:46)

 

Zurückkommen (Audio: 2:24)

DROHNEN

MOHN, BLUTROTER MOHN

Mit festen Schritten geht Kelly vom Auto zum Haus. Der Schweiß perlt unter den kurzen Haaren hervor, bildet einen dünnen Film auf ihrem Nacken und läuft in das olivfarbene T-shirt, das sich am Halsausschnitt schon dunkel färbt.
„MummyMummyMummy!“ Auf dem hellen Steinweg stolpert ihr Priscilla entgegen - mit tapsi­gen Schrit­ten, hochgerissenen Ärm­chen und fliegen­den Locken.
Kelly wirbelt Priscilla durch die Luft und küsst sie.
„Wer ist Mummys Engelchen?“, ruft sie, „wer ist Mum­mys Schatz?“ und kitzelt Priscilla bis die vor Vergnügen quiekt. mehr

-----------

UTOPIA

„War doch gar nicht so spät gestern“, dachte Kat, „drei, höchstens halb vier.“
Sie nahm einen kräftigen Schluck von dem abgestandenen Whisky, der seit Tagen in einem Glas verdunstete, spülte den Mund und spuckte die Zahnpasta neben die schmutzi­gen Teller in die Spüle. Mit den Fingern fuhr sie durch ihre  grauen Haare. War da nicht irgendein Kerl gewesen letzte Nacht? José oder Xavier oder – egal. Kat klemmte sich eine Zigarette in den Mundwinkel, zog die Unter­hose aus ihrer Pofalte und begann unter Büchern, No­tizzetteln und schmutziger Wäsche, nach dem Feuer­zeug zu suchen. mehr

WEITERE TEXTE

Blum und der Punk

Blum und der Punk
Blum und der Punk

Blum stand am Fenster seines Büros, blickte auf den Marktplatz und nahm einen Schluck Kaffee. Mit Bedacht schob er ein Stück Herrenschokolade in den Mund. Bittere Schokolade zum bitteren Kaffee. So hielt es Blum, seit er hier Bürgermeister war. Diesmal sollte es ja tatsächlich eine Gegenkandidatin geben – Blum schmunzelte - ein junges Ding, zugezogen, machte was mit Kindern. Wohl kaum eine ernstzunehmende Konkurrenz.
Als sich die Tür nach einem zögerlichen Klopfen öffnete, wandte Blum sich um. mehr


Impressum | Datenschutz | Sitemap
Die Nutzung der Bilder und Texte dieser Website ist ohne Genehmigung und Honorarabsprache untersagt.